Sabine Derflinger

Episode #5: Sabine Derflinger, Regisseurin

Sabine Derflinger ist eine der bekanntesten österreichischen Regisseurinnen. Die 57-jährige aus Wels in Oberösterreich hat an der Wiener Filmakademie studiert und sich auch als Drehbuchautorin einen Namen gemacht. Sie hat inzwischen eine eigene Produktionsfirma und arbeitet  viel fürs Fernsehen.  Im Vorjahr hat ihr Film über die österreichische Frauenministerin Johanna Dohnal für Furore gesorgt. 

Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste Zusammentreffen mit Sabine Derflinger. Ich habe im Urania-Kino in Wien eine Filmpremiere ihres Films „42plus“  anmoderiert. In dem Film geht es um die Sehnsucht nach Liebe und wie schwierig es ist, zwischen Geborgenheit und Freiheit eine Balance zu finden. „Eigentlich geht es in meinen Filmen immer darum,“ sagt die Regisseurin. Mir fällt sofort diese Mischung aus Rauheit und Sensibilität auf bei Sabine Derflinger.

Das zweite Treffen, an das ich mich gut erinnere, war bei einem LIFEball. Das Motto: Gold! Sie trägt ein goldenes Plastikkleid, das ihr gut steht: „Ich hab ja nix Goldenes, also bin ich auf die Ottakringerstraße gefahren und hab mir in einem der Jugo-Hochzeitskleider-Geschäften eins besorgt. Die haben tolle Sachen! Aber ich werd`s wohl kaum noch einmal anziehen! Mir fehlt da die Gelegenheit“, sagt sie und wir lachen. Sie ist witzig und geerdet. 

Das goldene Kleider hätte später bei der Verleihung des renommierten deutschen Grimme-Preises  nochmals ausgeführt werden können, den Derflinger für ihren zweiten  Österreich-TATORT „Angezählt“ bekommt. Ein Durchbruch auch im deutschen Filmbusiness. 

Im Vorjahr kommt dann Derflingers Film über die Frauenministerin Johanna Dohnal in die Kinos, wird davor schon auf der Viennale gezeigt. Der Film begeistert, Derflinger beginnt damit durch Österreich zu touren – bis die Coronakrise ihr (und den meisten anderen Filmschaffenden) eine ungewollte Pause verschafft.

Feministisch war die Oberösterreicherin immer. Frauenrechte sind für sie Menschenrechte: „Feminismus ist kein privates Hobby so wie Bilderaussticken. Es geht um die Einhaltung der Rechte für alle und dass alle dieselben Chancen haben können unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Zugehörigkeit zu Kultur usw. Bitte, das haben wir unterschreiben!“ 

Ich hab unglaublich gern viel Macht. Ich steh da drauf, weil Macht heißt ja nur, dass ich unglaublich viele Möglichkeiten habe. Aber wenn ich Macht und Möglichkeiten habe, dann muss ich mich auch menschlich beweisen.

Derflinger wurde mit knapp über zwanzig Mutter einer Tochter, die inzwischen selbst Mutter zweier Kinder ist. Sie sagt: „Am wichtigsten ist die Aufteilung von Kinderbetreuung und Elternsein.“ 

Und Sorgen machen ihr die Folgen der Corona-Krise: „Wir hatten ja viel mehr Freiheit als die jungen Leute heute. Schon vor Corona haben die Jungen viel weniger Freiheit gehabt, weil der ökonomische Druck so groß ist heute….. Aber wenn es die Gleichheit zwischen Männern und Frauen nicht gibt, haben wir keine Zukunft. Das ist unbedingt notwendig. Das ist die große Herausforderung auch politisch. Aber wir bewegen uns hier auf dünnem Eis.“

Ihr aktuelles Filmprojekt für die ARD ist auf Eis gelegt. Die Dreharbeiten in Italien sind verschoben. Aber, sagt Derflinger, es wird schon wieder werden! Leicht wars ja noch nie.

FrauenFunk #5: Sabine Derflinger, Regisseurin

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