FrauenFunk S.2, Episode #26: Brigitte Handlos im Gespräch mit Raphaela Scharf, Journalistin und Moderatorin / F: Helmut Spudich

FrauenFunk S.2, Episode #26: Raphaela Scharf, Journalistin und Moderatorin

Raphaela Scharf und ich kamen auf Umwegen über einen Bekannten zusammen. Unser erstes Treffen im Café Sperl war ein Vorfühlen, ob wir etwas miteinander anfangen können. Ich hatte das Interview mit ihr und Katja Wagner, die wie Scharf ebenfalls bei krone.tv arbeitet, auf Puls 4 gesehen und war sehr beeindruckt. Da trauten sich zwei junge Journalistinnen gegen den mächtigen Medienmacher Wolfgang Fellner Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe öffentlich zu machen. Als dritte schloss sich dann noch Angela Alexa an.

Dass das kein einfacher Schritt ist, ist den meisten Frauen klar.

FrauenFunk S.2, Episode #26: Brigitte Handlos im Gespräch mit Raphaela Scharf, Journalistin und Moderatorin

Auch Raphaela Scharf erzählt in unserem Gespräch, dass die Klage gegen Fellner viel Energie kostet. Aber sie habe sich schon immer gegen Ungerechtigkeiten gewehrt. Der Arbeitsrechtsprozess um ihre Entlassung von oe24 läuft noch. Den Prozess, den Wolfgang Fellner gegen SIE anstrengte, den hat sie gewonnen (in erster Instanz).

Raphaela Scharf ist im Leben nicht auf die Butterseite gefallen: Als Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die immer voll gearbeitet hat, habe sie früh gelernt für sich selbst und ihre Rechte zu kämpfen. Den Vater hat sie nie gekannt. Alimente zahlte er keine, wofür sie ihn später verklagte.

Die gebürtige Linzerin hat vor ihrer Medienkarriere eine Ausbildung zur Kindergartenpädagogin gemacht, sich dann aber bald ihren Traum erfüllt: Sie ging nach Wien und studierte Publizistik.

Raphaela Scharf absolvierte Praktika bei ATV, gotv, ging nach Hamburg zu Gruner+Jahr und war in München bei ProSiebenSat1. Sie arbeitete für die Produktionsfirma der Barbara-Karlich-Show und moderierte zahlreiche Fernseh-Events bis sie schließlich bei oe24.tv als Moderatorin anheuerte.

Als Vorbild nennt Raphaela Scharf die US-Erfolgsmoderatorin und Produzentin Oprah Winfrey, deren Leben auch von Höhen und Tiefen geprägt ist. Mit ihrem Schritt in die Öffentlichkeit will Raphaela Scharf vor allem anderen Frauen, die ähnliche Situation erlebt haben wie sie, Mut machen. Ziel sei es, diesen Frauen klar zu machen: Ihr könnt euch wehren und so geht es!

Was bedeutet für sie Feminismus?

“Feminismus bedeutet für mich, dass man sich einsetzt für Gleichberechtigung, für Gleichbehandlung zwischen den Geschlechtern. Man macht keinen Unterschied zwischen Herkunft, Alter, Geschlecht. Es geht darum, dass alle Menschen gleich sind und wir sollten deshalb auch alle die gleichen Rechte haben.”

Warum traut sie sich so eine Klage wie jene gegen Medienunternehmer Fellner?

“Ich würde mich als enorm starke Frau bezeichnen. Es ist mein Gemüt, dass ich mich solche Sachen traue, mir gewisse Dinge nicht gefallen lasse und Missstände in einem Unternehmen aufzeige. Ich glaube, es gibt viele Frauen, denen das gleiche passiert ist. Mir haben auch viele geschrieben. Und die haben dann vielleicht nicht den Mut, weil sie sich denken: dieser Mann ist so mächtig, der kann mich zerstören.”

“Ich möchte diesen Frauen helfen und ihnen sagen: diese Rechte stehen dir zu, so kannst du gegen Missstände vorgehen.(…) Wichtig ist vor allem alles zu dokumentieren und sich Bezugspersonen zu suchen und diese Missstände beim Betriebsrat aufzuzeigen. Dann ist die Frage, wie kann man das innerhalb des Unternehmens lösen?”

“Schlimm ist, dass wir noch immer eine Täter-Opfer-Umkehr haben. Die Frau ist schuld. Wie hat sie denn ausgesehen in dieser Situation? Was hat sie angehabt? Hat sie den Mann irgendwie gereizt? Hat sie ihm gar Avancen gemacht?”

Dass selbst manche Frauen dieser Denke zuneigen, zeigte ausgerechnet das Gerichtsverfahren. Dabei habe die Richterin – nach einem Bericht der Tageszeitung DER STANDARD — Scharf gefragt, warum sie nicht gekündigt habe, „man weiß doch, wie es im Unternehmen zugeht“. Und den Wunsch, nicht mehr mit Fellner moderieren zu müssen, kommentierte die Richterin mit den Worten: „Ich glaube, Sie träumen von warmen Eislutschern.“ „Ein fatales Signal für alle Betroffenen und die Öffentlichkeit“, schrieben daraufhin das Frauennetzwerk Medien und der Presseclubs Concordia in einem offenen Brief an die RichterInnen-Vereinigung.

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