FrauenFunk #39: Ina Wagner, Univ.Prof.für Informatik, TU Wien

Episode #39: Ina Wagner, Univ.Prof.für Informatik, TU Wien

Ina Wagner ist eine bescheiden wirkende Frau, die von sich selbst jedoch sagt, sie habe es in der Männerdomäne Informatik geschafft, weil sie schlichtweg stur sei. Sie ließe sich nicht gerne von anderen einordnen und schon gar nicht durch irgendein Suffix klein machen. So gründete sie an der Informatik in Wien das neue Fachgebiet „Multidisziplinäres Systemdesign“, das aus Informatik, Sozialwissenschaften, Kunst und Frauenforschung besteht. Und sie leitete viele Jahre das Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung.

Studiert hat Frau Prof. Wagner Kernphysik, obwohl – wie sie selbst sagt – sie in Mathematik gar nicht besonders gut gewesen sei. Aber sie habe sich das einfach in den Kopf gesetzt. Sie hat zwei Habilitationen: eine in Informatik an der TU Wien und eine in Bildungswissenschaften der Universität Klagenfurt.

39: Ina Wagner, Univ.Prof.für Informatik, TU Wien

Viele Jahre lehrte sie an der Universität Oslo in Schweden und an der Sydney University of Technology. „Mich brachten die Frauenthemen in die internationale Forschung“, sagt sie. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit war immer das Thema Frauen-Arbeit-Technik. In den 1980-er Jahren arbeitete sie im Auftrag des Sozialministeriums an drei Forschungsprojekten, die wegweisend waren: Mädchen in nichttraditionellen Lehrberufen, Frauenarbeit im automatisierten Büro, und Frauen in ungelernten Berufen.

Ina Wagner erhielt 2011 den Frauenpreis der Stadt Wien und ist Trägerin des Gabriele-Possanner-Staatspreises. Sie hat eine Tochter und einen Sohn und drei Enkelkinder.

Was ist für Ina Wagner Feminismus?

„Feminismus ist für mich ein Lebenselexier. Es ist eine großartige Bewegung, der wir alle unendlich viel zu verdanken haben. Es ist eine intellektuell anregende Bewegung. Und Feminismus heißt, sich über ideologische Differenzen hinweg für Gleichstellung und für eine bessere Gesellschaft einzusetzen.“

Warum entscheiden sich weniger Frauen als Männer für die sogenannten MINT-Fächer?

„Frauen sind relativ gut in Mathematik. Es ist durchaus ein Mädchenfach. Es muss auch schon mit der Entmutigung in der Schulzeit zu tun haben. Es wurde ja auch lange Zeit diskutiert, man sollte die Mädchen von den Buben trennen im Physikunterricht – also in den MINT-Fächern – damit sie nicht den Druck haben, nicht gar so gut in den naturwissenschaftlichen Fächern zu sein, mädchenhafter zu sein. Was auch immer man diskutiert hat, es ist weiterhin eine ungelöste Frage. Es gibt viele gute Programme, um Mädchen anzuziehen. Aber wenn diese Programme einmal aussetzen, verringert sich auch wieder der Zustrom. Mädchen, junge Frauen brauchen offensichtlich zusätzliche Motivation, Ermutigung, Unterstützung, um sich das zu trauen.“

Über die Folgen von Gender-Bias sagt Ina Wagner:

„Was man sieht ist z.B., dass künstliche Intelligenz und die neuen Neurotechnologien absolut nicht gender-neutral sind. Künstliche Intelligenz im medizinischen Bereich, die algorithmen-basiert vorgeht, braucht riesige Mengen von Daten. Wenn nun den Daten in den Datenbanken ein Gender-Bias anhaftet, dann kann das gefährlich werden. Zum Beispiel werden Frauen besonders häufig als depressiv diagnostiziert. Jetzt weiß man aber, dass die Diagnose von Depression ausschließlich mit einem Sample von Frauen entwickelt wurde und auch auf sehr problematischen Annahmen über Frauen beruht. Man weiß also, dass Daten mit Diagnose Depression ein Gender-Bias anhaftet, der gar nicht so leicht zu identifizieren ist. Wenn dann maschinengenerierte Diagnosen auf Daten beruhen, in denen die Frauen nicht sichtbar sind oder es einen offenkundigen Gender-Bias gibt, dann werden ja auch die maschinengenerierten Diagnosen diese Verfälschungen haben. Also das ist ein weites Feld, das sich da öffnet.“

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