FrauenFunk #36: Ruth Wodak, Sprachwissenschafterin

Episode #36: Ruth Wodak, Universitätsprofessorin für Sprachwissenschaften

Das Gespräch mit der Sprachwissenschafterin Ruth Wodak nahm gleich zu Anfang eine interessante Wendung. Ich stellte aus Neugier die Frage, warum sie die Akademie der Wissenschaften 2012 verlassen habe. Die Antwort fiel länger aus und machte mich sprachlos. Wodak erzählt ganz zu Beginn unseres Gespräches darüber, wie sie zuerst ein Angebot der Akademie der Wissenschaften bekommen habe, ihren Wittgensteinpreis (dotiert mit rund 1 Mio. Euro) dort anzusiedeln, als sie nützlich war für den Ruf Österreichs während der EU-Sanktionen und der Regierung Schwarz-Blau 1. Gleich danach aber folgten Schikanen und Mobbing.

Über ihre Zeit in der Akademie der Wissenschaften sagt Wodak: „Ich war das Feindbild, ich war wie die rote Hexe! Man wusste, ich bin sekuläre Jüdin, komme aus einem sozialdemokratischen Elternhaus und äußere mich auch politisch in diese Richtung, ich forsche zu diesen Themen (Migration, Rassismus, Xenophobie) und bin Feministin. Mehr hab ich dort nicht gebraucht. Es gibt in der Akademie der Wissenschaft alte Nazis und auch junge schlagende Burschenschafter. Und die wollten mich dort nicht.“

FrauenFunk #36: Ruth Wodak, Universitätsprofessorin für Sprachwissenschaften

Ruth Wodak ereilte aber gerade zur richtigen Zeit ein Ruf an die Universität Lancaster in Grossbritannien, wo sie mehrere Jahre forschte und lehrte. Außerdem verbrachte sie längere Arbeitsaufenthalte in den USA und in Schweden.

Geboren ist Ruth Wodak in London. Aber aufgrund der diplomatischen und politischen Tätigkeit ihres Vaters übersiedelte die Familie schon bald ins damals jugoslawische Belgrad. Ihr Studium der Sprachwissenschaften und Slawistik absolvierte sie an der Universität Wien, an der sie in Linguistik promovierte und sich später habilitierte. 1996 erhielt sie als erste Frau den Wittgensteinpreis, der ihr und ihrem Team fundierte Forschung ermöglichte. Eines ihrer Schlüsselwerke ist „Die Rhethorik der Angst“.

Ruth Wodka ist vielfach ausgezeichnet, unter anderen mit dem Frauenpreis der Stadt Wien.

Zum Ruf des Feminismus sagt Ruth Wodak:

„Es gab schon längere Zeit so eine Gegenbewegung, einen Backlash gegen viele Errungenschaften von Feministinnen, immer gepaart mit dem Backlash gegen political correctness. Das wird in eines vermengt. Der Backlash, dass man endlich wieder Hausfrau sein darf – ein Strohmann-Argument, weil es hat einem ja nie jemand verboten, das zu sein. Oder man endlich wieder sagen können, was man sagen will. Auch das hat einem nie jemand verboten. Ich glaube, das ist eine Rache vieler Männer, die tatsächlich um ihre Territorien fürchten und das so ideologisch verbrämt haben. Die Angst vor klugen Frauen ist nicht neu, aber in einem größeren Ausmaß geht es jetzt auch um Ressourcen.“

Braucht der Feminismus einen neuen Begriff?

„Ich finde, Feminismus mit der Tradition ist ein wunderbares Konzept und ich denke, wir sollten uns das wieder zurückholen. (…) Man darf sich Begriffe nicht nehmen lassen. Die Stereotype gehen dahin, dass wir alle verbitterte Jungfern sind und mit Stroh und Asche und im Sackkleid herumlaufen. Da muss man dem was entgegensetzen und positiv neu konotieren.“

Über Sprache und Feminismus:

„Wir waren mit den Richtlinien zumindest oberflächlich erfolgreich. Sie schaffen zumindest Sichtbarkeit und das war uns immer sehr wichtig, dass Frauen auch sprachlich sichtbar werden. Ich glaube aber nicht, dass das genug ist. (…) Ich glaube aber auch, dass es wichtig ist, andere Facetten des Sprachverhaltens hineinzunehmen: etwa dass Frauen oft viel vorsichtiger formulieren, viel öfter Fragen stellen, sich unterbrechen lassen, viel öfter im Konjunktiv formulieren und Hesitationen stärker betonen. Man sieht auch, dass Frauen anders interviewt werden, dass JournalistInnen geschult gehören, damit sie hier keine Unterschiede machen.“

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